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BRIEFE AN SEINEN VATER UND SEINE SCHWESTERN
Pläne für eine akademische Laufbahn. Im Ausland, um Zeit zu sparen
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Rom, 24. März 1909Lieber Vater,
ich habe gerade Ihren Brief erhalten und gelesen. Mein Ziel, wovon ich Ihnen bereits erzählt habe, eine Prüfung zur Erhaltung einer Dozentenstelle an der Universität abzulegen und später, wenn Kazazis weggeht, Professor zu werden, dieses Ziel wird verwirklicht. Anfang Mai, vielleicht sogar Ende April, werde ich diese Prüfung ablegen. Aber das Buch, das ich zu diesem Zweck schreiben wollte, um es später den Professoren vorzustellen, habe ich in Paris bereits Ende Februar vollendet, da ich Tag und Nacht gearbeitet habe, um es zu Ende zu schreiben. Und ich habe es geschafft.
Es bleiben mir also anderthalb bis zwei Monate Zeit bis zur Prüfung, da ich am 15. April in Athen sein werde. Ich habe genau überlegt: Würde ich gleich nach Athen fahren, würde es mir genauso viel kosten; bliebe ich in Paris, hätte es keinen Sinn, da ich meine Arbeit dort vollendet habe; würde ich nach Hause fahren, um danach wieder hierher zurückzukommen, wären die Kosten wieder gleich hoch. Ich musste abwägen, wie ich mit gleich viel Geld den höchsten Nutzen haben könnte. Und beschloss, dass es für mich von Vorteil wäre, die erste Hälfte des Monats in Florenz und die zweite in Rom zu verbringen. Ich versichere Ihnen, lieber Vater, dass ich nicht zu meinem Vergnügen in der Fremde umherreise und so viel durchmache. Hätten Sie nur die Möglichkeit, an die Häuser zu schreiben, wo ich in diesen zwei Jahren gelebt habe, würden sie es bestätigen, wie fleißig ich war und wie viele Nächte ich durchgearbeitet habe. Während alle jungen Menschen, meine Freunde, das Leben genossen, war ich mit meinen Büchern alleine in meiner Kammer oder in den Universitäten und versuchte das zu verdienen, was Sie für mich ausgaben. Ich weiß, es gibt keinen anderen Vater, der so viel für sein Kind getan hat, wie Sie. Aber ich kann Ihnen versichern, mein Vater, dass Sie Ihr Geld an mir nicht verschwendet haben. Mein Studium, meine Entwicklung, alles, was ich gesehen und gelernt habe, ist etwas Beispielloses für die Verhältnisse von Heraklion, ich würde sagen, für ganzes Kreta. Ich hoffe, dass ich den Namen, den ich von Ihnen geerbt habe, eines Tages ehren werde.
Ich habe Florenz nicht zu meinem Vergnügen verlassen, aber ich musste Rom sehen und studieren. All das brauche ich, ich quäle mich ab, um zu studieren, und ich quäle mich doppelt ab, wenn ich bedenke, mit wie viel Mühe das Geld verdient wird, das Sie mir schicken. Sie wissen ganz genau, ich gehöre nicht zu den jungen Menschen, die nicht denken und sich ihre Pflichten nicht bewusst sind. Ich spare sogar noch am Essen, damit ich mit dem Geld, das Sie mir am 15. Februar geschickt haben, zwei Monate leben kann. Alle Reiseausgaben will ich von meinem Essen absetzen. Ich gebe keinen Pfifferling aus, ohne es mir vorher gut zu überlegen. Aber ich weiß nicht, ob ich bis zum 10. April damit auskomme. Da ich dann von hier aus abreise, dafür bräuchte ich die 10 letzten Zwanzigdrachmenscheine für die Fahrkarte und die Reisekosten nach Athen bis Anfang April. Hier kenne ich keinen und, falls ich dann kein Geld mehr habe, weiß ich nicht, was ich machen soll.
Mein lieber Vater, verzeihen Sie mir, dass ich Ihnen einen so langen Brief schreibe. Ich weiß aber nicht, wie ich es Ihnen sagen soll, dass ich ganz genau weiß, dass Sie alles für mich tun, was kein anderer Vater je getan hat, und dass ich mich in der Fremde wirklich abquäle und hart studiere, und dass ich mich nicht zum Zeitvertreib herumtreibe, weil ich eines Tages unserem Namen Ehre machen will.
Nikos
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